Allgemein · Gedanken und Geschichten

Beim zweiten Mal ist alles anders!…Mein Geburtsbericht

Schon in meiner zweiten Schwangerschaft habe ich gemerkt, dass nicht alles so „easy peasy“ wie beim ersten Mal laufen muss!

☆☆☆

Bei Lenchen hatte ich ( gefühlt ) jedes „Zipperlein“, was es so gibt…. Von der Symphysenlockerung, über Rückenschmerzen, bis hin zu so schlimmen Sodbrennen, dass ich es sogar von Knäckebrot und Wasser kaum noch aushalten konnte.

Ich meine, da hat sich  das Sch… Sodbrennen nicht mal gelohnt…. für ein leckeres Drei-Gänge-Menü hätte ich auch mal Sodbrennen in Kauf genommen…Aber hey… für Zwieback und Knäckebrot…Das ist nicht fair!

Und nun zu Lenchens Geburt… Morgens war ich noch im Krankenhaus gewesen, weil ich seit fast drei Wochen so viel gehustet hatte, dass ich entzündete Nerven zwischen den Rippen hatte….

Und soweit war ja sonst auch alles gut… Ich war in der 38.Woche…Also schon viel weiter, als die Ärzte und ich je gedacht hätten (denn Mia kam ja schon in der 34. )

…Die Urlaubsvertretung meiner Frauenärztin hatte mir schon gesagt, dass sie nicht glaubt mich zum nächsten Termin nochmal zu sehen…

Alle Unterlagen für PDA etc waren unterschrieben (dieses mal wollte ich auf jeden Fall eine…. Und nicht, dass alles wieder hinausgezögert wurde, bis es zu spät war!)

… Ein Brief an Mia lag mit einem kleinen Geschenk bereit, sie sollte ja schließlich nicht plötzlich morgens aufwachen, falls es nachts losging und ich war nicht da!

… die Klinktasche war gepackt…

Ich war also vorbereitet… dachte ich!

Die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs für Zweitgebärende (den ersten Kurs hatte ich ja nicht… Der wäre erst das Wochenende nach Mia’s Geburt gewesen) hatte uns nochmal bestärkt unsere Interessen und Wünsche während der Geburt durchzusetzen, da man sich ja viel zu oft von Ärzten, Hebammen und Schwestern zu allem Möglichen überreden lässt…

☆☆☆

… Als mir also in der Nacht zum 26.Oktober, um ein Uhr nachts, die Fruchtblase während eines Hustenanfalls platze, war ich ganz ruhig!

…Jens informiert,meine Mama informiert, damit sie auf Mia aufpasst…

Ich wusch mich, zog mich an, nahm meine Tasche, instruierte meine Mama noch für den nächsten Tagesablauf mit Mia und stieg mit Jens ins Auto…

Und wie ich da so saß, bekam ich doch langsam Herzklopfen… puhhh… Jetzt sollte es also losgehen!

Im Krankenhaus wurde erst noch ein CTG gemacht, dann noch eine Untersuchung und anschließend hieß es erstmal ab aufs Zimmer, es ist noch nicht akut…

Jens sollte nach Hause fahren… Und ich schlich mich in ein dunkles Zimmer (es gab kein Einzelzimmer… Also kam ich zu einer anderen Mutti… Mittlerweile war es 2Uhr nachts… Die war bestimmt begeistert… Was hatte ich ein schlechtes Gewissen! )

…Da lag ich also…versuchte meinen Husten zu unterdrücken und plötzlich kam so ein Ziehen…. Ich ging zur Nachtschwester, die mich gleich wieder in den Kreißsaal schickte, dort kam ich an einen Schmerztropf, da sich sonst noch nichts weiter getan hatte… Ich plauderte mit der Hebamme, die meine Hebamme für zu Hause sogar kannte, und dämmerte so vor mich hin…

Als um kurz vor 6 der Tropf fertig war, kam sie zu mir und sagte, dass nun gleich eine Kollegin kommt, weil sie Feierabend hat…Sie wünschte mir alles Gute und verschwand… Mit ihr verschwand auch mein gutes Gefühl und die Wirkung des schmerzhemmenden Tropfs…

…Und die Wehen kamen quasi zeitgleich mit meiner frisch eingetroffenen Hebamme… Sie untersuchte mich und sagte mir, ich könne meinen Mann jetzt mal anrufen…. NEIN… MEIN HANDY LIEGT IM ZIMMER… WAS AM ANDEREN ENDE DER STATION IST…. UND BEI MIR HABEN GERADE DIE WEHEN BEGONNEN…

Ich fragte sie also freundlich, ob sie das nicht machen könne… Während ich mir schon das erste Nierenschälchen schnappte…Was war mir schlecht!

WER HAT SICH DENN DIESE GRÖßE EIGENTLICH AUSGEDACHT…. ES SOLLTE EIMER IM KREIßSAAL GEBEN!…

…Als sie wiederkam hatte ich die Schälchen auch schon alle aufgebraucht…. Gott war mir das unangenehm!

Und …DIESE SCHMERZEN… Mein Mann sei auf dem Weg und ich könnte Schmerztabletten bekommen… OH JAAAA…Fünf Minuten später befanden sich zwei halbverdaute Schmerztabletten in der Nierenschale und meine Hebamme schlug mir vor in die Badewanne zur gehen… zur Entspannung…

AUF GAR KEINEN FALL!…dachte ich …Und sagte…“okay, wenn es hilft“ … Ich hatte alle vier Minuten Wehen… 3-3 1/2 Minuten dauerten die…. Für den Weg zur Wanne, im gegenüberliegenden Raum, brauchte ich eine gefühlte Ewigkeit! Für die PDA sei es noch zu früh… Aber die Wanne ist toll…ICH WILL KEINE WANNE… Doch die hilft… NEIN!!!

Ich saß also in einer halb befüllten Wanne mit lauwarmen Wasser, in einem weißen bis unter die Decke gekachelten Badezimmer …UND STERBE HIER GLEICH...So sieht es auch immer in der Pathologie im Fernsehen aus, oder!?…. Eine weiße Liege und ein silberner Rollwagen mit Einweghandschuhen und diversen Nierenschälchen rundeten das wenig einladende Bild ab! ICH KANN HIER NICHT ENTSPANNEN… minütlich wurden mir neue Nierenschalen gereicht…

Als Jens in den Raum kam, guckte er mich verwirrt an (denn wir hatten abgesprochen, dass ich nie und unter keinen Umständen in eine Wanne möchte!). Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen… WENN DU LACHEN WILLST, KANNST DU GERNE WIEDER NACH HAUSE GEHEN… Nein bleib bitte!!!

Ich schrie wie am Spieß… Wie in einem schlechten Film… ICH STERBE!!! … Ich bat Jens nach der  Hebamme zu suchen…. ICH MÖCHTE HIER RAUS… Aber wie???… Sie kam und sagte… „In der nächsten Wehenpause“… ICH HABE KEINE….

Irgendwie bin ich dann aus der Wanne gekommen und schlich im Schneckentempo über den Flur zurück in den Kreißsaal… Im OP-Hemdchen mit Einweg Schlüppi …

ACH AUCH SCHON EGAL!

Im Kreißsaal fing ich an zu weinen… WIE KANN ES SEIN,DASS ICH IN DER MEDIZINISCHEN HOCHSCHULE LIEGE UND KEINER KANN ETWAS GEGEN MEINE SCHMERZEN TUN….ICH MÖCHTE JETZT SOFORT DIE PDA…

Meine Hebamme wollte mich erst noch untersuchen und ein CTG schreiben…. „So fertig“…. JETZT MÖCHTE ICH DIE PDA… Wahrscheinlich sei es schon zu spät, bis das Anästhesie-Team da wäre….WAS!? ICH HABE VOR 5 WOCHEN ALLES UNTERSCHRIEBEN UND FERTIG GEMACHT, DAMIT ICH SO ETWAS NICHT NOCHMAL HÖREN MUSS…. DAS IST MIR EGAL… DAS SOLLEN DIE MIR PERSÖNLICH SAGEN! JETZT!

…Ich war inzwischen fern ab von Gut und Böse… ICH KANN NICHT MEHR… Es waren erst 2 1/2 Stunden seit der ersten Wehe vergangen… Aber ohne Pause…Eine Wehe ging nahtlos in die nächste über…. ICH ERTRAGE DAS NICHT MEHR!…

Da waren sie also endlich…das Anästhesie-Team …. Mir wurde alles erklärt… Während ich festgehalten wurde, damit man den Zugang legen konnte, kam die erste Presswehe … Es gab eine „Probespülung“ und dann verabschiedet sich der Arzt… Er könne nichts mehr tun, es sei zu spät….WAS!?…

Ich wusste noch gar nicht wie mir geschieht, da kam der Leiter der Geburtsklinik… drängte Jens zur Seite, riss mir das Bein hoch… Die Hebamme nahm das andere…“So noch drei mal pressen und sie ist da“…. DAS IST EIN WITZ ODER!?…DAS SAGT ER JETZT UM MICH ZU BERUHIGEN, WEIL DAS MIT DER PDA NICHTGEKLAPPT HAT…. ODER!?

„Noch einmal … Und jetzt so richtig… Sie hängt fest!“

Ja… Und dann war sie da… MEIN WUNDERSCHÖNES KLEINES LENCHEN! …Alles dran und sie schrie und war voller Käseschmiere… Und so zauberhaft…  So schön… Mein Kind… Und ich hatte es geboren…

Das war meine definitiv letzte Geburt und sie war nicht schön…Weil ich mich in Dinge hab reinquatschen lassen, die ich nicht wollte…. Also hört auf Euren Instinkt und sagt ruhig, was ihr möchtet…

Aber wenn ich mir jetzt diese inzwischen gar nicht mehr so kleine Wesen anschaue, ach… dann ist alles vergessen!

2 Kommentare zu „Beim zweiten Mal ist alles anders!…Mein Geburtsbericht

  1. Das ist der Grund, warum ich meine Kinder zu Hause zur Welt bringen wollte und warum ich so unglaublich froh darüber war, als ich mein drittes Kind dann auch wirklich zu Hause zur Welt bringen durfte (die ersten Beiden sind 6 bzw. 7 Wochen zu früh gekommen und ich kenne das Gefühl des Bangen, ob es wieder zu früh los geht nur zu gut).
    Auch wenn die letzte Geburt anstrengend war, und ich (zumindest gefühlt) den gesamten Stadtteil zusammen gemotzt habe, es war die entspannteste Geburt überhaupt. Keiner der mir sagt, was ich tun oder lassen soll, keine Hebamme, die mir nicht glaubt, das ich Wehen habe oder mich wie ein Maikäfer in die Rückenlage zwängte, keine Ärztin, die dann auf meinem Bauch rumdrückte und sich dann am Ende noch fast darüber beschwert hätte, wie anstrengend das doch für sie war…
    Ganz im Gegenteil meine Hebamme war da, wenn ich sie brauchte und lies mich und meinen Mann aber sonst einfach machen.

    Ich hoffe sehr, dass du das Erlebte gut verarbeiten kannst, denn auch wenn das „Ergebnis“ das schönste auf der Welt ist, so sollte man (in diesem falle Frau) auch sagen dürfen, das das so einfach scheiße war.

    Ganz liebe Grüße,
    Katharina

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